Mosambik steht für malerische Strände, genauso wie für eine unglaubliche Tier- und Pflanzenwelt. © Rani Resorts
Mosambik macht sich chic
Das Luxusurlaubsland der 60er-Jahre hat sich erholt und zum neuen Geheimtipp für exklusiven „High-end“-Tourismus entwickelt. Rudolf Melzer hat ein Paradies für Verliebte gefunden.
Betörende Ruhe, nur das Zwitschern einiger Vögel und das Rauschen des Meeres sind zu hören. Ein angenehm samtiges Klima mit gut 25 bis 30 Grad und mäßiger Luftfeuchtigkeit, würzige Holz- und Nadeldüfte, die Körper und Geist augenblicklich Entspannung suggerieren, das ist Mosambik, der Urlaubsgeheimtipp im Nordosten Südafrikas. Der Blick aus dem Badezimmerfens-ter erinnert an die schier unglaublichen Fototapeten der 70er-Jahre: weißer Sand, Palmen, zwei Liegestühle und dahinter, im türkisen, glasklaren Meer zieht ein afrikanisches Fischerboot, eine Dhau, ganz ruhig vorbei. Man bekommt gleich Lust, sich in die Hängematte auf der Veranda des schilfgedeckten Chalets zu legen und die sinnlich entspannenden Eindrücke einfach wirken zu lassen. Wir sind auf der Insel Matemo im Norden von Mosambik, im Quirimbas Archipel nahe der Grenze zu Tansania. Das 2004 eröffnete Matemo Island Resort verfügt insgesamt über 24 dieser romantischen Chalets, von denen keines weiter als zehn Meter vom Meer entfernt steht. Die Zimmer sind mit „Queen Size“ Himmelbetten in dunklem Holz und weißen Moskitonetzen ausgestattet. Dazu Möbel im Kolonialstil. Zusätzlich zu den geräumi-gen Bädern gibt es bei jedem Häuschen eine Außendusche. Fünfsternekomfort, wohin das Auge reicht; inklusive einem Pool mit großzügiger Poolbar und einer etwas abgelegenen Strandbar. Die Einrichtung der gesamten Anlage, speziell Lampen und Sofas, mutet orientalisch an. Kein Wunder, stammt doch der Besitzer aus Dubai. Das Matemo Re-sort gehört zur Rani-Gruppe, dem größten touristischen Einzelinvestor in Mosambik. Ja, Mosambik, die einstige portugiesische Kolonie ist zurückgekehrt auf die Landkarte jener Länder, die sich dem anspruchsvollen „High-end“-Tourismus verschrieben haben; fest entschlossen, Mauritius den Rang als afrikanische Imagedestination wieder abzulaufen. Die erste große Blütezeit als Urlaubsland erlebte Mosambik zwischen den späten 1950er-Jahren bis Anfang der 70er. Filmhelden wie John Wayne besuchten das Land mit seiner unglaublichen Tier- und Pflanzenvielfalt ebenso wie Staatspräsidenten und Wirtschaftsmagnaten. Ein fürchterlicher Bürgerkrieg legte ab Mitte der 70er Jahre Mosambik praktisch lahm. Die Dörfer zerschossen, das Großwild beinahe ausgerottet, wartete ein großes Stück Arbeit auf die neuen Verantwortlichen des Landes. „Zum Glück versöhnten sich die Stämme schnell wieder; heute arbeiten Tutsi und Hutu friedlich miteinander“, erklärt Louis Korb – er managt gemeinsam mit seiner Frau Penni das Matemo Resort. Heute funktioniert das Land wieder klaglos. Von den insgesamt knapp 2.000 Einwohnern Matemos sind bereits 80, großteils Männer, im Resort beschäftigt und ernähren somit rund ein Viertel der Bevölkerung, denn ein Arbeiter muss im Schnitt acht Personen versorgen. Ein Mann hat drei bis vier Frauen und bis zu zehn Kinder zu ernähren. Aber es geht nicht nur um Geld. Der Tourismus bringt auch Bildung (z.B. eigene Schule) und sozialen Anschluss auf die Insel. Als Kind kannten diese Männer oft nicht einmal den Unterschied zwischen einem Löffel und einer Gabel, heute können sie nicht nur Tische für mehrgängige Menüs perfekt eindecken, sondern kennen alle Service-Ansprüche eines Fünf-Sterne Hotels. Egal, ob im Roomservice oder im Restaurant. Viele der Männer haben klingende Kunstnamen wie Dollar, Kissinger oder Smile. Am reichhaltigen Frühstücksbuffet bereitet Jamal, der Koch, zum Beispiel gerne individuelle Wünsche wie Rührei oder Omelett für seine Gäste zu. Immer mit einem breiten Lächeln versteht sich!
Kulinarisch gilt die Inselwelt des Quirimbas Archipels als Geheimtipp: von köstlich zubereiteten Krabben über Hummer und Tintenfisch reicht das Angebot bis zu Sashimi vom frisch gefangenem Thunfisch, Baracuda, Stingray oder Dorade. Apropos Fisch: neben Schnorcheln und Tauchen in den Korallenriffen rund um Matemo, Rudern und Wasserski kann der geneigte Gast auch der Hochseefischerei frönen. Wer mehr Sinn für Romantik hat und auf´s Meer raus fahren will, tauscht die Angelrute mit dem Weinglas und nimmt seinen Sundowner auf einer malerischen Dhau ein oder bucht einen Dinner Cruise. Die meisten Aktivitäten inklusive Vollpension sind im Zimmerpreis enthalten. Dieser schwankt je nach Jahreszeit und Buchungsart – Buchungen über Veranstalter sind immer günstiger als direkt – zwischen 300,- und 470,- US Dollar pro Person. Für Kulturinteressierte gibt es von Matemo aus die Möglichkeit, mit dem Boot auf die nur etwa 20 Minuten entfernte kleine Insel Ibo überzusetzen. Ibo galt dereinst unter portugiesischer Herrschaft als blühendes Handelszentrum. Heute zeugen malerische Ruinen vom einstigen Reichtum. Zwei Forts beschützen die Stadt, dazwischen Kirchen, Mandelbaum-Alleen, das alte Zollhaus, in dem immer noch alte Akten lagern, und viele Herrenhäuser. Einige der alten Häuser werden bzw. wurden bereits renoviert: so die alte Registratur, in der heute ein Hotel untergebracht ist, das vom Stil am ehesten einer Mischung aus einem alten feudalen Palast mit einem kolonialen Herrenhaus entspricht. Die Ibo Island Lodge hat nur neun Doppelzimmer und gilt ebenso als Oase der Ruhe. Der Poolbereich ist höhergelegt, sodass man auch während des Schwimmens oder von der Liege aus über die, von herrlich rot blühenden Bougainvillen gesäumten, Gartenmauer auf die Lagune hinaus schauen kann. Von der großen Terrasse aus lassen sich beim traditionellen Sundowner an der Bar die schönsten Sonnenuntergänge beobachten, bevor Dinner serviert wird. Draußen haben inzwischen die Fischer ihre Netze für den nächsten Morgen vorbereitet. Aber nicht alle Einheimischen leben vom Fischfang. Besondere Tradition hat das Handwerk der Silberschmiede, die ihren Schmuck sowohl im großen Fort der Stadt als auch in ihren Werkstätten verkaufen. Die Tage sind kurz in diesen Breiten. Zwischen 17.00 und 18.00 Uhr versinkt die Sonne mit einem kurzen, aber dafür umso fulminanteren und farbenfrohen Decrescendo, im Meer. Eine ideale Welt für frisch Verliebte. In den meisten Hotels wird das Abendessen im Schein von Kerzen oder Öllampen serviert. Zurück im Matemo Resort: Dort können sich die Gäste sogar den Ort ihres Dinners täglich neu aussuchen: entweder am Strand, wo nur zwei Stunden vorher noch die Flut jede Menge herrlicher Muscheln und Korallen angespült hat, oder auf der eigenen Terrasse des Chalets. Neu auf Matemo ist das Angebot an Massagen, von Maniküre und Pediküre. Hier will man offenbar mit den Schwesterresorts der Ranigruppe, vor allem dem Indigo Bay, dem Medjumbe sowie dem Pemba Beach und dem Lugenda gleich ziehen. Bis Mitte 2009 wird zusätzlich ein neues 4-Sterne Strandresort mit 50 Zimmern auf Santa Carolina Island im Bazaruto Archipel entstehen.
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