Die Navy Pier ist besonders in den Sommermonaten gut besucht, nicht zuletzt wegen der zahlreichen Open-Air Veranstaltungen. © Fremdenverkehrsbuero Chicago & Illinois
Eine Stadt für jede Jahreszeit
Chicago, der Geburtsort der modernen Architektur, ist eine Metropole mit vielseitiger Unterhaltungskultur. Ein Erlebnis auch an eisigen Wintertagen, findet Prof. Dr. Klaus Lukas.
Vom John Hancock Observatory hat man den eindruckvollsten Ausblick über das Häusermeer, das endlose flache Hinterland Chicagos und den Michigan See. Die Fahrt zu der im 97. Stock gelegenen Aussichtsplattform legt man im angeblich schnellsten Aufzug der Welt in nur 40 Sekunden zurück. Die Welthauptstadt der Architektur der Moderne liegt zu Füßen; Wolkenkratzer aus der Vogelperspektive. Architekturgenies haben sich hier angesiedelt, Spuren hinterlassen und Denkmäler gesetzt. Darunter der aus Deutschland stammende Mies van der Rohe oder Louis Henri Sullivan, der über Boston aus Frankreich kam. Nach dem großen Brand von 1871 fanden die internationalen Meister der Architektur ein einzigartiges Betätigungsfeld und schufen Bauwerke, die bis heute nichts an Attraktivität verloren haben. Der Kontrast zwischen der bizarren, dichtbevölkerten Stadt und ihrem flachen, unbedeutend wirkenden Hinterland, vermittelt den Eindruck, als würde sie unerwartet und unpassend aus dem Nichts in den Himmel streben. Die Großstadt-Oase Chicago hat auch ein soziales Mikroklima. Die Stadt ist von einem ländlich konservativen Gürtel, dem protestantisch ruralen Mittelwesten Amerikas umgeben. Innerhalb der Stadtgrenzen hingegen besteht ein überproportional großer Anteil der Bevölkerung aus Menschen mitteleuropäischer Herkunft. Chicago hat die größte polnische Bevölkerung unter allen Städten der Erde. Auch die Zahl der aus dem Burgenland stammenden Einwohner ist größer als jene von Eisenstadt. Deutsche, Tschechen, Ungarn, Serben, die sich hier niedergelassen haben und die bedeutende farbige Bevölkerungsgruppe sorgen für eine Atmosphäre der Weltoffenheit und des Liberalismus, in der verschiedene Kunstrichtungen einen fruchtbaren Boden finden. Als Zentrum der Literatur, des Films, der Theater, des Blues, der Museen, so stellt sich das Chicago des 21. Jahrhunderts dar.
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