Feuerzangenbowle & Zunftzeichen
Wo einst Karl Lagerfeld sich in Tracht kleidete, der Beginn des Barocks sich findet und zur Weihnachtszeit schmucke Adventmärkte zu traditionellem Kunsthandwerk einladen – im verträumten Salzburg gibt es viel zu bestaunen, weiß Cornelia Buczolich.
alzburg pulsiert, atmet und verwöhnt den Körper und Geist mit frischer Alpenluft. Erholung in einer Stadt? Gesunde Bergluft in der Altstadt? Kaum vorstellbar. Doch Salzburg verspricht Stadturlaub am Land und Landurlaub in der Stadt. Die drei Hausberge – der Mönchsberg, Kapuzinerberg und der Rainberg – schenken der Stadt ein pittoreskes Panorama. Sanft umarmt der Mönchsberg die Mozartstadt, gibt ihr nicht nur mit der Hohen Festung eine unvergleichliche Kulisse, sondern lädt auch zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Spätestens jetzt ist auch jedem klar, wieso die berühmten Salzburger Nockerln meist in Form von drei Nocken (Bergen) serviert werden.
Einst fuhren die Handelsleute durch die Getreidegasse und stärkten sich in den unzählbaren Bierbrauereien. Wer heute durch die Getreidegasse schlendert, der wird sich selbst dabei ertappen, nicht in die Auslagen zu schauen, sondern empor zu den schmucken schmiedeisernen Zunftzeichen über den Verkaufsläden. Es werden sogar noch heute bei aufwändigen Restaurationen von diesen Zunftzeichen in den Hohlkehlen versteckte Botschaften – so genannte Anleitungen – gefunden, die auf die Verarbeitung der Zunftzeichen hinweisen. Wer noch weiter empor blickt, der entdeckt auch Jahreszahlen in den Hohlkehlen der schmalen Häuserfluchten. Links steht die Jahreszahl der Erbauung des Hauses und rechts wann zuletzt ein Feinschliff durchgeführt wurde. Aber auch Hebe- und Flaschenzüge können beim genaueren Betrachten der Häuserreihen entdeckt werden. Heute reihen sich neben Designerläden wie etwa Louis Vuitton oder Tanja Gründling – sie führt Marken wie etwa Acne Jeans, Michael Kors und Dolce & Gabbana – auch Juweliere wie etwa Haasmann oder Nadler – die besonders zur Weih-nachtszeit eine beliebte Adresse sind.
Wer die Getreidegasse entlang schlendert, der findet in den zahlreichen gotischen Innenhöfen wunderschöne kleine Weihnachtsmärkte und pittoreske Plätze. Und wer die Getreidegasse raffiniert entdecken möchte, der geht sie schlangenlinienförmig. So bummelt man durch die Häuserfluchten und Innenhöfe, um keines der malerischen Geschäfte und Geheimtipps zu übersehen. Reinstes Mittelalter bekommt man hier noch heute zu sehen und teilweise zu spüren. Aber auch abseits der Getreidegasse lebt die Stadt voller Erinnerungen. In einigen der vielen denkmalgeschützten Häuser wurden bereits Fresken freigelegt bzw. halten sich noch versteckt. In der Dreifaltigkeitsgasse – früher aufgrund ihrer Nähe zum Sumpfgebiet – der Ort der Gerber, findet sich noch heute das Lederhaus Schlüsselberger. 1422 wurde es gegründet und erst kürzlich wurden malerische Fresken im Lager freigelegt.
In der Schwarzstraße hat bereits Karl Lagerfeld die Geldbörse gezückt. Ein Designergeschäft? Ja, so kann man es in Salzburg nennen. Niemand geringerer als die legendären Trachten von Lanz befinden sich hier. Lanz ist der einzige Trachtenproduzent, der auch in Salzburg seinen Betrieb hat, verglichen zu so manch anderen, die ihre Waren im Fernosten billiger herstellen. Aber nicht nur Lagerfeld suchte sich hier seine Lederhose aus. Das verstaubte Gästebuch, das seit der Gründung von 1922 geführt wird, könnte Romane erzählen. Alle Königshäuser der Welt, aber auch Marlene Dietrich, Tommy Hilfiger oder Elizabeth Hurley haben sich bereits eingekleidet. Nicht zu vergessen die Opernstars, die jährlich zur Festspielzeit anreisen. Typisch für die Trachten in Salzburg ist der Leinenlaib – auch Mieder genannt – welcher jeder Frau eine charmante Taille aufsetzt. Die Taftschürze ist bei Lanz aus echter Seide, darunter trägt Frau einen Baumwollrock, der aus dem jährlich ändernden Lanzmuster hergestellt wird. Ein Seidendirndl ist schon etwas Feines – Salzburgerinnen tragen es gerne zur Festspielzeit oder einfach am Sonntag. Ein Dirndl kann in Salzburg nie die falsche Robe sein.
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