Pura Besakih ist das religiöse Zentrum Balis und eine beindruckende Tempelanlage am Hang des Vulkans Gunung Batur. © Henry Jedelsky / REISE-aktuell
Lobster, Götter & Dämonen
Eine faszinierende Kultur, farbenprächtige Feste und ausgezeichnete Hotels prägen das Bild der Götterinsel Bali. Elisabeth und Henry Jedelsky haben sich mit Meiers Weltreisen auf eine kulturelle und kulinarische Rundreise begeben.
Der pittoreske Tempel Tanah Lot aus dem 16. Jahrhundert zählt zu den sechs heiligsten Orten Balis. Er erhebt sich südwestlich der Hauptstadt Denpasar auf einer kleinen Insel aus grauschwarzem Lavagestein und wird im Reiseführer vor allem wegen seiner prachtvollen Sonnenuntergangsstimmung erwähnt. Schöner noch ist ein Besuch am frühen Morgen, wenn die Wellen voll gegen das Riff anbranden und man bei der heiligen Süßwasserquelle unterhalb des Tempels mit den Priestern und den schwarzweiß geringelten Seeschlangen in der Uferhöhle fast alleine ist. Typisch für die authentische Gastfreundschaft der Insel werden wir in einem kleinen Dorf am Wegrand spontan von den Einheimischen zu einem Fest im Dorftempel eingeladen. Es wird „Tumpek Landep“ gefeiert, das Fest des Metalls: festlich geschmückten Autos, Mopeds und Motorrädern wird dabei ebenso wie den zeremoniellen Dolchen, den Kris, neue spirituelle Kraft verliehen. Hier werden wir erstmals vom ganz besonderen Zauber Balis erfasst. Vor uns breitet sich die tiefe Hingabe und Religiosität der Balinesen aus, und auch die Fröhlichkeit, mit der die Menschen ihre Feste feiern.
Der „Tempel des Haares“, Rambut Siwi, stammt aus dem 16. Jahrhundert, thront auf einer Anhöhe über dem breiten schwarzen Sandstrand und wurde kürzlich auf das Prächtigste renoviert: die unzähligen Steinfiguren, reiche Goldverzierungen und die weißgekleideten Pilger erzählen davon, wie der Hinduismus nach Bali kam und geben zudem schöne Fotomotive. Bald nach dem Städtchen Negara beginnt der prächtige West Bali Nationalpark, der nahezu zehn Prozent der Fläche der Insel umfasst. Jetzt ist Trockenzeit und die trockenen Wälder erinnern mehr und mehr an die afrikanische Savanne. Nur auf den höheren Berghängen und den hohen Gipfeln zeigt sich das dunkle Grün des Bergregenwaldes. Kleine, bellende Hirsche, die Mutjaks, kreuzen unseren Weg, manchmal auch Timor-Hirsche und Wildschweine. Hier sollen auch vor Jahrzehnten die letzten Bali-Tiger gesehen worden sein. Zahlreiche Affen beobachten die Umgebung aufmerksam vom Boden aus und ein etwa taubengroßer, schneeweißer Vogel flattert kurz durchs Geäst – er ist eine echte Rarität: der nahezu ausgestorbene Bali-Star, von dem es nur mehr fünfzig Tiere in freier Wildbahn gibt.
In Pula Pulaki, dem Affentempel an der Nordküste, findet wie fast an jedem Morgen eine zeitige Erntedank-Zeremonie statt. Zwischen den weißgekleideten Gläubigen hocken große, graue Fellbündel: die in West-Bali allgegenwärtigen Langschwanz-Makaken. Noch nie habe ich so andächtige Affen gesehen. Allerdings nur, bis die geweihten Gaben – Obst, Blumen und Gemüse – nach der Segnung durch den Priester wieder an die Menschen ausgeteilt werden. Da bricht es wie ein Wirbelwind über den Tempelhof herein, da huscht und kreischt es, bis unter großem Gelächter auch die Affen ihren Anteil erhalten – denn hier wird niemandem etwas missgönnt. Bald beruhigt sich die graue Bande am Tempelhof , zieht sich in den kühlen Schatten zurück und verdrückt die letzten Reste der morgendlichen Beute in aller Hast. Denn schon kommen die Besucher aus den umliegenden Hotels angereist, die auf Anraten ihrer Reiseleiter sich mit schmackhaftem Obst ausgestattet haben. Und das Spiel hebt von Neuem an...
Wir wenden uns ostwärts in die Berge. Schöne Dörfer mit Hibiskus- und Bougainvillea Sträuchern, Stechäpfelbüschen und Gewürznelkenbäumen säumen den Weg, dazu Batterien aus Strohkörben, in denen die Kampfhähne, Balis Zeitvertreib für echte Männer, scharren. Die Zwillingsseen Bratan und Bedugul sind beliebte Trekkingziele am Rande des West Bali Nationalparks. Besonders beeindruckt der Wassertempel Pura Ulu Danu, der sich seit Jahrhunderten perfekt in die stimmungsvolle Landschaft einfügt. Wir haben Glück. Hinter den Tempeltürmen erklingt balinesische Musik. Gerade feiern hunderte Menschen ein balinesisch-hinduistisches Reinigungsritual am Ufer. Die aus dem See aufsteigenden Nebel werden rasch von der grellen Sonne verdrängt, ein mystisches Spektakel, das uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.
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