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Reisetagebuch

von Henry Jedelsky

31. August 2009

Die illegalen Hahnenkämpfe werden auf Bali „Dajen“ genannt. © REISE-aktuell/Henry Jedelsky

Um Kopf und Kragen

Henry Jedelsky besuchte in Bali einen der illegalen Hahnenkämpfe – einen sogenannten „Dajen“.

Heute Vormittag stand die Besichtigung des Rajah Palastes von Ubud und der Besuch einer Galerie für exquisite Holzschnitzerei auf dem Programm. Zurückgekehrt in unser Fünf-Sterne-Hotel Maya Ubud, plane ich einen ausgiebigen Besuch im sensationellen Spa des Hotels: mit grünem Tee, Vollmassage mit ätherischen Ölen und zur Belohnung dann eine gute Flasche Bintag-Bier. Es kommt aber anders. Gerade als wir die großzügige Hotellobby durchschreiten, klingelt das Handy meines Führers Garmada. In einem nahegelegenen Dorf soll in etwa einer halben Stunde ein „Dajen“ stattfinden, einer der berühmten, aber illegalen Hahnenkämpfe. Und weil sein großer Bruder mit einigen Hähnen dort ist, kann ich gerne mitkommen. Also – Good bye Grüner Tee & Spa, wir sind auf dem Weg.

Keine halbe Stunde später erreichen wir die Veranstaltungshalle eines kleinen Dorfes, die mit großen Planen gegen die Straße hin abgeschirmt ist. Wir bezahlen eine Art Eintrittsgebühr und drängen uns ins Geschehen. Ein etwa fünf mal fünf Meter messender Ring wird von einer Reihe Plastiksessel und etwa fünfhundert schwitzenden Männern umlagert. Bald merke ich, dass ich der einzige Europäer bin. Eine junge Frau umrundet den Kampfplatz, sie ist aber kein Nummerngirl, sondern verkauft Tuak – ein Palmschnaps – an die Zuschauer und scheint dabei ein prächtiges Geschäft zu machen. Gespannt sehe ich zu, wie einem Hahn direkt vor mir ein „Daji“ an den linken Fuß gebunden wird: eine scharfe Klinge, etwa so groß wie die größte Messerschneide bei einem Schweizer Taschenmesser. Dann hocken sich die beiden Besitzer der Kampfhähne in die Mitte des quadratischen Kampfringes. Stolz heben sie ihre Tiere hoch, zeigen sie dem Publikum und den Kampfrichtern. Nun beginnt ein Summen, das sich zu einem lauten Stimmengewirr aus hunderten Kehlen steigert: das Wetten beginnt, auf balinesisch werden die Wettquoten ausgerufen. Natürlich verstehe ich kein Wort, aber jetzt strecken sich aber hunderte Hände in Richtung der Kämpfer. Man wedelt mit roten, blauen oder gelben Geldscheinen – jetzt wird gesetzt. Dann bricht plötzliche Stille herein – die beiden Männer sitzen sich mit den Hähnen noch immer gegenüber, zupfen an Federn, Kämmen oder Flügel, um die Tiere zu reizen und in Kampfstimmung zu bringen. Dann müssen sie sich in ein kleines Rechteck aus Kreide hocken, das an zwei Außenlinien des Kampfplatzes liegt. Auf ein Handzeichen eines Kampfrichters werden die Hähne losgelassen. Sie rasen sofort los und prallen etwa in der Mitte der Arena zusammen. Dem Zuschlagen der klingenbewehrten Füße folgt ein Wirbel aus Federn, Flügel und Hahnenkämmen, dann schnelle Flucht, rasende Verfolgung und ein neuer Zusammenprall. Beide Tiere liegen jetzt am Boden, ineinander verkrallt und mit flatternden Flügeln. Vorsichtig trennt ein Schiedsrichter die Kämpen, zieht die blutige Klinge des siegreichen Hahns aus der Brust des Unterlegenen. Während der Besitzer des Siegers sein Tier stolz hochhebt und triumphierend den Zuschauern zeigt, zuckt der Verlierer noch ein paar Mal im Sand der Arena und verendet. Achtlos wird er in eine Ecke geworfen, am Abend wird er im Suppentopf der Familie enden. Ich lasse meine Kamera sinken und checke die geschossenen Bilder. Ganz zufrieden bin ich mit der Ausbeute unter diesen schlechten Lichtverhältnissen noch nicht, aber schon beginnen die Vorbereitungen zum nächsten Kampf.

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Ein etwa fünf mal fünf Meter messender Ring wird von einer Reihe...
Stolz heben die Männer ihre Tiere hoch, zeigen Sie dem Publikum und den...
Die Hähne bekommen einen „Daji“ an den linken Fuß gebunden wird: eine...
Blitzschnell wird über die Siegerniederlage entschieden.


Wieder drängen die Zuschauer vor, die Luft ist zum Schneiden und die Spannung greifbar. Mein Nachbar, der Hotelbesitzer aus Kuta, erzählt mir, dass er mit seinen Angestellten da ist, die Wettgegner für ihn suchen müssen. Da heute noch etwa zwanzig Kämpfe auf dem Programm stehen, wird er viel Zeit haben, sein Glück in Versuchung zu führen. Viele Balinesen verwetten bei diesen Veranstaltungen hunderttausende Rupien, manche verlieren sogar Haus und Hof. Und das ist der Grund, warum in Bali Hahnenkämpfe illegal sind. Nach fünf weiteren Kämpfen – zwei davon enden wieder mit dem Tod eines der Kontrahenten – reicht es auch mir. Ich gebe meinem Früher ein Zeichen und dränge mich durch die Mauer der Zuschauer. Wir steigen in unser Auto, immer noch über die Kämpfe diskutierend. Gott sei Dank hat niemand von uns Geld verloren und vielleicht geht es sich immer noch aus, das Spa des Hotels Maya Ubud zu besuchen. Ob ich mir dann am Abend Hühnersuppe bestellen werde, weiß ich aber noch nicht.

Mehr über Bali lesen Sie in der Herbst/Winter-Ausgabe von REISE-aktuell, die ab 12. November 2009 im Handel erhältlich ist.

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Bali
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