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Erfolgs-Formel

Die Formel 1 ist der Gipfel des Motorsports und sorgt spätestens seit der Übernahme durch Liberty Media wieder für Spannung und Gänsehaut. Wir blicken hinter die Kulissen.

Sonntag, 15 Uhr – das Mittagsessen ist vorbei, der Kaffee oder auch ein Bier, sind bereitgestellt und der Fernseher aufgedreht. Bequem auf der Couch platzgenommen, sieht man Ernst Hausleitner und Alexander Wurz, wie sie einen von wechselnden Orten durch den Bildschirm begrüßen. Man hört die Intromusik, sortiert noch einmal die Startpositionen und freut sich auf ein spannendes Rennen – es ist Formel 1-Zeit.

Doch während der durchschnittliche Motorsport-Fan nach rund zweieinhalb Stunden den TV wieder ausschaltet, beginnt für die Teams wieder einmal das Wettrüsten bis zum nächsten Grand Prix. Wir durften hinter die Kulissen der Königsklasse blicken und uns im Zuge des großen Preises von Silverstone ein eigenes Bild machen. Passenderweise befindet sich nur eine handvoll Kilometer weiter in Enstone das Hauptquartier des Infiniti Renault Sport Formel 1 Teams. Bevor also die Action auf der Strecke startet, schreiten wir durch die Geburtsstätte der gelb-schwarzen Renner. Dabei verblüfft erst einmal die Anzahl der Mitarbeiter. 700 Personen arbeiten tagtäglich daran, dass Carlos Sainz und Nico Hülkenberg ihr Soll optimal erfüllen können. Wobei hier in Enstone nur am Chassis gearbeitet wird, in Frankreich, genauer in Viry, arbeiten noch einmal 300 Menschen an der Entwicklung und Produktion des Motors. Rund 1.000 Frauen und Männer sind also nötig, um die beiden Autos anstandsfrei im Kreis zu bewegen – bei den Gelben ist das zumindest so. Die größeren Teams beschäftigen noch mehr Mitarbeiter, die kleineren Teams weniger. Und es gibt noch eine weitere Monsterzahl: 40.000. So viele Designs für Spoiler, Leitbleche, Fahrwerk und weitere Fahrzeugteile werden entworfen, davon werden nur rund 0,8 Prozent gefertigt – zuerst aus Kunststoff, dann aus Carbon. Rund 7 Millionen Pfund, also fast 8 Millionen Euro gibt das Werk in Enstone im Jahr für Carbon aus. Nicht für das Endprodukt, sondern nur für das Ausgangsmaterial. Das wird dann in riesigen Heizöfen in die richtige Form gebracht. Ein Formel 1-Auto besteht aber nicht komplett aus Carbon, auch Aluminium ist verarbeitet. Bei der Fertigung der Alu-Teile läuft es ähnlich ab. Zuerst gibt es Plastikmodelle, dann ist das Leichtmetall dran. Dazu gibt es eine riesige Halle im Werk, in dem 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche die CNC-Maschinen durchlaufen.

Die Teile werden danach im Windkanal, oder auf einem Fahrwerks-Simulator getestet. Dazu ein Ingenieur, warum die Arbeit an den Rennwagen so speziell ist: „Wenn ein Metallteil eine Stärke von 3,0 mm haben darf, muss es genau diese drei Millimeter haben. Bei 2,9 Millimetern gibt es eine Strafe von der FIA, bei 3,1 Millimetern verschenken wir Performance, weil das Teil schwerer ist.“ Der Ingenieur ist übrigens einer der Gewinner der Infiniti Engineering Academy. Hier macht sich das Team die Kreativität der Jugend zunutze und rekrutiert von jedem Kontinent einen Studenten – mitunter einige der hellsten Köpfe der Welt. „Als Ingenieur willst du entweder zur Luftfahrt, oder in die Formel 1.“ Kein Wunder, dass sich gut 15.000 bei der Academy bewerben.

Auch auf der Strecke geht es naturgemäß heiß her. Dahinter sitzt man im klimatisierten Motorhome. Das ist so etwas wie das Hauptquartier des Teams und wird in nur zwei Tagen aufgebaut und direkt nach dem Rennen wieder abgebaut. Nicht nur auf der Strecke, sondern im ganzen F1-Zirkus ist Eile geboten. Besonders in der Box wuselt es regelrecht vor Menschen – aber niemand läuft, stresst oder hudelt, jeder weiß, was zu tun ist. Kopf dieses Teams ist der Franzose Cyril Abiteboul. Er muss die Fahrer, die Boxencrew und die Techniker koordinieren und alles wissen, was gerade in Viry und in Enstone passiert. Passend dazu bekommen 60 Personen während dem Training, Qualifying oder dem Rennen alle Daten live und könnten zur Not auch eingreifen. „Früher, also vor 20 Jahren, hatten wir etwa 50 Megabyte Daten pro Rennwochenende, jetzt sind es 300 Gigabyte pro Auto und Rennen,“ sagt ein Verantwortlicher. Das Rennen selbst ist aber nur die Spitze des Eisbergs und die Ernte der Arbeit, die jeden Tag von all den Leuten geleistet wird.

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