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Johannes Böhm

St. Moritz bei Nacht - ein einzigartiger Anblick. Wo gibt´s sonst Boutique-Schaufenster in den Bergen?© Johannes Böhm

Wo bitte geht´s zur Prominenz?

St. Moritz ist ein faszinierender Kosmos, der durch seine Geschichte, Extravaganz und der ausgezeichneten Lage in der Oberengadiner Berg- und Seenlandschaft Sommer wie Winter Gäste aus aller Welt lockt. Johannes Böhm durfte hier weilen, schlemmern und wellnessen. Auch durch St. Moritz stapfte ich mit großen Augen und leerer Brieftasche und suchte nach Prominenz.

 

Das Örtchen liegt überraschend entlegen und ist selbst aus dem Herzen der Schweiz nur beschwerlich erreichbar – abgesehen von einem Hubschrauber natürlich. Das ist Überraschung Nummer eins. Die zweite Überraschung ist, dass es einst die sprudelnden, kohlensäure- und eisenhaltigen Heilquellen waren, die Menschen nach St. Moritz zogen. Auch Kelten und Römer waren schon hier. Und die St. Moritzer verweisen auch stolz auf das älteste Holzbauwerk Europas. 700 Jahre vor der Gründung Roms fröhnten sich die San Murezzaner der Gebirgsheilquellen. Im Winter war das Bergdörfchen schlicht zu abgelegen. Und winterlicher Alpintourismus ist jünger als man vielleicht denken möchte.

Mutiger Visionär

Es brauchte einen mutigen Visionär, eine Wette und reiche Engländer. Johann Badrutt, Erfinder des winterlichen Alpintourismus, irritierte Briten mit folgender Verheißung: Entweder sie genießen die milde, winterliche Sonne, oder er würde die Reisekosten übernehmen. Die Engländer nahmen die Wette an und tauchten zu Weihnachten wahrlich auf und... Reisten erst nach Ostern braun gebrannt wieder heim. Das war 1865 und zugleich der Anfang des goldenen Zeitalters von St. Moritz.

Bunter Mix, verwirrende Mischung

Mein erster Eindruck? Die Mischung ist irgendwie nicht ausgewogen. Erwartet hätte ich mir mehr ChiChi, mehr Stars und mehr Trubel. Der Anblick des von Corvatsch und Corviglia, Schafkopf und Piz Nair umfangenen Tals ist grandios. Aber die Bauwerke eher nicht. Es findet sich ein bunter Mix aus Herrschaftsvillen, Scherbenvierteln, modernen Glas- und Betonbauten und Edelmarken wie Prada, Maserati und Co. Die kulturellen Glanzzeiten scheinen wohl passé, denn einstmals weilten hier Caruso, Chaplin, Hitchcock, Marlene Dietrich oder Karajan, um nur eine illustre Auswahl zu nennen. Februar 2017 versteckt sich die Prominenz. Und das verwunderd. Schließlich ist gerade die Ski-WM im Gange. Keine Fans, keine Schlachtgesänge, keine Party, nix. Es ist ruhig. Und das um 10:45 – also einer knappen Stunde vor dem Start des Super G der Herren. St. Moritz ist vielleicht zu sehr Premium-Skiort und die heutige Prominenz verschanzt sich lieber in Villen, die sich gut geschützt in der Landschaft verstecken, als sich in den Vordergrund zu drängen.

Ein Drink um 66.000,- CHF

Was nicht heißen soll, dass St. Moritz kein besonderes Fleckchen ist. Vom Moritzer See führt eine nicht enden wollende Rolltreppe in den Ortskern. Und auf den ersten Metern wird der Besucher von Schaufenstern begrüßt, die nur das beste, teuerste und am wenigsten wirklich Notwendige zeigen. Uhren um 20.000,- CHF, Taschen um 25.000,- CHF und eine Skihaube um 900,- CHF. Selbiges bei den Immobilien. Für 75 m² werden 850.000,- CHF verlangt. Ein kleines Häuschen schlappe 2.400.000,- CHF. Umso verwirrender sind die Preise beim Skiverleih, oder einem Restaurant nahe des Kulmparks: völlig normal, ein bisserl über Österreich-Niveau. St. Moritz ist ein Wechselbad der Gefühle und schwankt auf wenigen Metern zwischen Super-Mega-ChiChi und bodenständig. Vielleicht ist das der Reiz des Örtchens und Verheißungen wie der exklusivste Cocktail der Welt in der Bar des Kempinski – Hennessy Paradise Imperial Dom Perignon Vintage um 66.000,- CHF – sind nötig, um den verrückten Zauber von St. Moritz am Leben zu erhalten. Schließlich ist ein Doppelzimmer im Kempinski für Frühbucher ab 472,- CHF zu haben. Teuer, aber für den womöglich teuersten Skiort der Welt dennoch leistbar.

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