19. Dezember 2011
Achtung Beratungsfalle!

Auch für die paradiesische Insel Zanzibar werden Impfungen benötigt. Die Malariaprophylaxe wird jedoch nicht von jedem Impfzentrum empfohlen.  © REISE-aktuell/ Cornelia Buczolich

Achtung Beratungsfalle!

Beim Test von reisemedizinischen Zentren wurden große Unterschiede bei Kosten und Beratungsqualität festgestellt.

Fernreisen sind beliebt, trotz möglicher gesundheitlicher Gefahren wie Malaria, Typhus oder Gelbfieber. Vor Antritt einer Fernreise ist daher unbedingt eine Beratung und gegebenenfalls Impfung in einem reisemedizinischen Zentrum anzuraten. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat 19 Einrichtungen in ganz Österreich mit auf die Probe gestellt und wie bereits bei einem Test im Jahr 2005 große Unterschiede bei Beratungsqualität und Kosten festgestellt. Teilweise wurden notwendige Impfungen nicht empfohlen, in einigen Fällen kam es jedoch zu Überempfehlungen. In den Zentren, die eine optimale Prophylaxe für eine geplante Thailandreise anboten, bewegten sich die Kosten zwischen 200,- und 280,- Euro. Im Wiener Impfzentrum Nord hingegen wurden zusätzlich sechs Impfungen empfohlen, die nicht nötig gewesen wären, was mit insgesamt 1.148,- Euro zu Buche schlug. Auch das Wiener Institut für Reise- und Tropenmedizin riet über das normale Impfprogramm hinaus zu vier nicht unbedingt nötigen Impfungen. Hier wären 764,- Euro fällig geworden. Testsieger wurde wie bereits beim letzten Test Traveldoc in Wien – das einzige Institut das mit „sehr gut“ abschneiden konnte.
 
Getestet wurden auf Reisemedizin spezialisierte private Institutionen, die als offizielle Gelbfieberimpfstellen anerkannt sind sowie je Bundesland zumindest eine amtliche oder universitäre Stelle. Die Einrichtungen wurden mit zwei unterschiedlich riskanten Szenarien konfrontiert: eine „Niedrig-Risiko-Reise“ in Form eines Cluburlaubs auf Thailand und ein „Hoch-Risiko-Szenario“, bei dem sich zwei junge Männer auf eine viermonatige Reise durch Ostafrika begeben.

Die Beratung fiel beim „Niedrig-Risiko-Szenario“ tendenziell besser aus. Die Mehrheit der Institute erhielt eine „gute“ Bewertung – drei sogar ein „sehr gut“. Deutlichere Lücken gab es beim „Hoch-Risiko-Szenario“: Die notwendige Empfehlung für eine Gelbfieberimpfung erfolgte zwar überall, doch bei der ebenfalls unverzichtbaren Malariaprophylaxe patzten das Amt der Salzburger Landesregierung, die Bezirkshauptmannschaft Dornbirn und das Magistrat St. Pölten. Angesichts der Reiseart wäre auch eine Tollwutimpfung anzuraten gewesen. Dennoch wurde diese vom Magistrat St. Pölten und der BH Innsbruck nicht empfohlen.

Andererseits ist es in vielen Fällen zu einer Überversorgung gekommen: Neun Institute ignorierten den bestehenden Hepatitis-A-Schutz, sechs den Polioimpfschutz und sieben den Diphtherie-/Tetanusschutz und rieten zur Impfung. Dies spiegelt sich auch in den Testurteilen wieder – lediglich ein „sehr gut“ wurde für das „Hoch-Risiko-Szenario“ vergeben – die Mehrheit (11 Stellen) erhielt ein „durchschnittlich“ oder sogar ein „weniger zufriedenstellend“ (3 Stellen).

Details zum Test gibt es auf www.konsument.at sowie in der Dezemberausgabe des Testmagazins „Konsument“. Umfassende rechtliche Tipps zum Thema Reise sind auf der Website des Europäischen Verbraucherzentrums (EVZ) unter www.europakonsument.at zu finden.

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