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Strand von Port Vieux, Biarritz © Bernard

Stadtgeschichten an der französischen Atlantikküste -Sechs Stadtviertel und Orte, die mehr als einen Umweg wert sind

An Frankreichs Atlantikküste, zwischen La Baule im Norden und Hendaye im Süden, lohnt sich der Blick um die Ecke. Viertel, Stadtteile und Dörfer erzählen ihre eigene Geschichte und weichen vom Altbekannten ab. So waren es die Nachfahren der Berber, die das marokkanische Viertel in Saint-Gilles-Croix-de-Vie schufen. In Arcachon ist die Winterstadt immer noch ein Rückzugsort, wenn auch nicht mehr nur zur Erholung bei Krankheit. Und das unbekannte Paimbœuf zehrt auch noch im 21. Jahrhundert von seiner einstigen Vergangenheit als bedeutender Hafen für die Schifffahrt auf der Loire.

Die Winterstadt in Arcachon

In Arcachon verbindet ein Aufzug den Sommer mit dem Winter. Die Küstenstadt teilt sich in eine Sommer- und eine Winterstadt: die „Ville d’Été“ mit Strandpromenade sowie Hafen und die „Ville d’Hiver“ im oberen Teil der Stadt. Letztere gleicht einem Mosaik aus Bauwerken, die mitunter als exzentrisch bezeichnet werden können. Einst war sie ein Rückzugsort für Tuberkulosekranke, die dank der guten Luft von Meer und Pinien Erholung fanden. Das historische Viertel zählt heute 300 Villen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, darunter zahlreiche Häuser im Chalet-Stil, die den Charme der Berge versprühen, aber auch gotische Herrenhäuser und maurische Pavillons mit reich verzierten Balkonen, Türmchen, extravaganten Dachkonstruktionen, außergewöhnlichen Treppen und exotischen Gärten.

Das marokkanische Viertel in Saint-Gilles-Croix-de-Vie

Während die Haupteinkaufsstraße von Saint-Gilles-Croix-de-Vie einer quirligen Flaniermeile gleicht, fühlen sich Besucher nur 100 Meter weiter, im ruhigen „Quartier du Maroc“, in eine andere Zeit versetzt. Ein Labyrinth aus engen Gassen und kleinen Höfen, gesäumt von Steinmauern, ist charakteristisch für dieses von Seefahrern erbaute Stadtviertel. Sein Name geht zurück auf die Nachfahren der Mauren, jenen Berberstämmen, die unter anderem im heutigen Marokko beheimatet waren, und sich im 16. Jahrhundert hier ansiedelten. Die Behausungen im marokkanischen Viertel sind vor allem eines: einfach. Und doch hat jedes Gebäude eine eigene Identität und zeugt eindrücklich vom bescheidenen Alltag der Seefahrer von damals. Im „Maison du Pêcheur“, dem Haus eines Fischers aus den 1920er Jahren, ist heute ein Museum untergebracht.

Das Viertel Saint-Nicholas in La Rochelle

Saint-Nicholas gleicht einem Dorf in der Stadt. Das einstige Fischerviertel von La Rochelle befindet sich zwischen Bahnhof und dem alten Hafen. Von Bäumen gesäumte Plätze, Gassen aus Kopfsteinpflaster und sich eng aneinanderreihende Häuser verleihen ihm einen ganz eigenen Charme – und macht es unter den Rochelais, wie die Einwohner von La Rochelle genannt werden, so beliebt. Im Bohème-Viertel der Stadt mit den drei Türmen reihen sich Second-Hand-Läden an Kunstgalerien, Büchereien und Schallplattenhändler. Auch Lebensmittelgeschäfte und Bistros sind hier ebenso zu finden wie der Weinkeller La Guignette in der alten Werkstatt eines Hufschmieds, der bereits 1933 Wein und Spirituosen für in La Rochelle vor Anker liegende Schiffe lagerte.

Paimbœuf, einstiger Vorhafen von Nantes

Zwischen Atlantik und Loire-Fluss, zwischen Nantes und Saint-Nazaire: Einst war das zu Saint-Brevin-les-Pins gehörende Paimbœuf ein obligatorischer Zwischenstopp für Schiffe, die die Loire befahren wollten. Seine Blütezeit erlebte es im 18. Jahrhundert, bevor 1856 der Hafen von Saint-Nazaire seine Tätigkeit aufnahm und Paimbœuf an Bedeutung verlor. Die maritime Vergangenheit ist jedoch noch heute allgegenwärtig: Molen, ein Leuchtturm, Gassen und schmale Passagen, prunkvolle Herrenhäuser mit bunten Fassaden und schmucke Balkone zeugen von einer schillernden Vergangenheit. Mit dem Sternen-Garten, dem „Jardin Etoilé“, schuf die japanische Landschaftsarchitektin Kinya Maruyama mit einfachen Materialien ein zeitgenössisches Kunstwerk: Die Loire mit ihrem Schauspiel dabei stets im Blick.

Port Vieux, das Zentrum von Biarritz

Wer dem eleganten Seebad Biarritz einen Besuch abstattet, kommt am Viertel „Port Vieux“ nicht vorbei. In den Straßen zeigen sich ehemalige Fischerhäuschen und von der Uferpromade führen Treppen zum eigentlichen Stolz des Viertels: dem kleinsten Strand von Biarritz! Überdachte Gänge säumen den Strand und zeugen von einer Zeit, als dieser noch für den Walfang genutzt und im Schutz der Bögen Tran gewonnen wurde. Der „Rocher de la Vierge“, ein mit einer Madonnenstatue versehenes Felsenriff, reicht auf der rechten Seite des Strandes in den Atlantik. Seit 1887 ist der Ort über eine von Gustav Eiffel erbaute Eisenbrücke zugänglich. Linkerhand thront die Villa Goéland auf den Felsen. Ein Hingucker: Die Mitglieder des legendären Schwimmclubs „Ours Blancs“ (dt. Eisbären), die von Januar bis Dezember in der Bucht trainieren.

Capbreton, Stadt der 100 Kapitäne

Die Herkunft des Namens „Capbreton“ ist ungewiss. „Cap“ mit seinen Ursprüngen in der gaskonischen Sprache bezeichnet einen Ort am Ende der Welt; „Breton“ gibt Historikern und Sprachwissenschaftlern nach wie vor Rätsel auf. Sicher ist jedoch: Trotz einer Küstenlinie von über 100 Kilometern ist Capbreton der einzige Hafen im Département Les Landes. Im 19. Jahrhundert war die „Stadt der 100 Kapitäne“ ein florierender Fischereihafen, bevor der Fluss Adour umgeleitet und Capbreton sich selbst überlassen wurde. Napoléon III. hauchte dem Badeort neues Leben ein und im Laufe der Zeit wandelte sich dieser zu einem bedeutenden Yachthafen mit 1.200 Liegeplätzen. Nicht nur Wellenreiter wissen den Charme des Ortes zu schätzen; das Aufeinandertreffen von Atlantik und Wäldern schafft ideale Voraussetzungen für Sport in der Natur. Relikt aus der Vergangenheit: der tägliche Fischmarkt vor der Hafenmeisterei.

Weitere Informationen zur französischen Atlantikküste unter atlantikkustefrankreich.de.

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