Menü
Anna Hausmann

Die Fondation Beyeler zeigt bis 26. Mai 2019 die Ausstellung "Der junge Picasso – Blaue und Rosa Periode“. © Anna Hausmann

Basler Kultur von Picasso bis Streetart

Die Schweiz ist nicht nur für Schifahrer und Bergfexe eine tolle Urlaubsdestination, auch Kunst- und Kulturliebhaber kommen hier nicht zu kurz – und sollten vor allem Basel einen Besuch abstatten. Anna Hausmann hat sich von der Kunstszene der Stadt ein Bild gemacht.

Pablo Diego José Francisco de Paula Juan Népomuceno Maria de los Remedios Cipriano de la Santisima Ruiz y Picasso sagte einst: „Ich wollte Maler sein und bin Picasso geworden.“ Einer der bedeutendsten Maler der Moderne wurde er nebenbei auch noch und ist mit seinem Werk in Basel derzeit besonders stark vertreten. Unter dem Titel „Der junge Picasso – Blaue und Rosa Periode“ zeigt die Fondation Beyeler bis 26. Mai 2019 ihre bisher hochkarätigste Ausstellung und eine Dichte an Werken des jungen Picasso, wie sie in Europa noch nie zu sehen war.

Die Gemälde aus der Zeit zwischen 1901 und 1906 zählen nicht nur zu den wichtigsten in der künstlerischen Laufbahn Picassos, sondern auch zu den kostbarsten Kunstwerken überhaupt. Besucher können anhand von 75 Leihgaben aus internationalen Museen Picassos Laufbahn, seine in unterschiedlichen Farben gehaltenen Perioden und seinen Weg bis zur Entstehung des Kubismus deutlich verfolgen. Die chronologisch aufgebaute und auf eine Fläche von 1.622 Quadratmeter aufgeteilte Ausstellung zeigt die Entwicklung Picassos anhand der menschlichen Figur, zwischen seelischen Abgründen in der blauen, und hoffnungsvollen Sehnsüchten in der rosa Periode.

Multimedial und interaktiv

Ein zusätzliches Highlight, auf dem Weg in die Moderne ist der multimediale Vermittlungsraum, der vor allem mit seinen interaktiven Büchern beeindruckt. Inhaltlich thematisieren diese die frühe stilistische Entwicklung Picassos und verbinden dabei die haptische Erfahrung normaler Bilderbücher mit spielerischen multimedialen Möglichkeiten. Blättert man eine Seite um, ändert sich auch der projizierte Inhalt. Durch Tippen auf einzelne Bereiche bekommt man als Besucher spannende Informationen zu Maltechniken, Inspirationen oder künstlerischen Kniffen Picassos. Eine liebevoll gestaltete und aufwendig umgesetzte, interaktive Installation, mit der sich Museumsbesucher aller Altersgruppen (sichtlich) gerne beschäftigen.

Ein großzügiges Geschenk

Doch nicht nur in der Fondation Beyeler ist Pablo Picasso Thema. Auch im Kunstmuseum Basel ist der Maler präsent. Hier stehen die Ankäufe und Schenkungen einiger wichtiger Werke im Jahr 1967 im Fokus der Beziehung zwischen Basel und Picasso. In diesem Jahr musste die Basler Charterfluggesellschaft Globe Air nach einem Absturz Konkurs anmelden. Peter Staechelin, Hauptaktionär und Sohn des Kunstsammlers Rudolf Staechelin, geriet somit in massive finanzielle Schwierigkeiten und sah sich gezwungen, wichtige Kunstwerke an die Bank zu verpfänden – unter anderem Picassos „Die beiden Brüder“ und „Sitzender Harlekin“, die seit 1947 als Leihgaben im Kunstmuseum Basel ausgestellt waren.

Die Basler Bevölkerung zeigte sich empört aufgrund des Verkaufs der Gemälde, die Regierung bewilligte schließlich sechs Millionen Franken um den Verbleib der beiden Picassos in Basel zu unterstützen. Jedoch mussten weitere 2,4 Millionen Franken privat aufgetrieben werden. Während ein Teil der Bevölkerung Spenden sammelte, Feste organisierte und Verkaufsstände betrieb, waren viele Basler gegen die hohe Investition in moderne Kunst, die ebenso gut im sozialen Sektor nötig gewesen wäre. Letztendlich entschied eine Volksabstimmung zu Gunsten der Picassos. Der Maler selbst, der das Geschehen verfolgte, zeigte sich so gerührt, dass er der Stadt Basel zusätzlich die Werke „Mann, Frau und Kind“, „Venus und Amor“ und „Das Paar“, sowie eine großformatige Skizze schenkte. Eine besondere Geschichte, die man im Kunstmuseum Basel auch heute noch voller Stolz erzählt.

Eine Institution in drei Häusern

In den Ausstellungsräume des Museums gibt es aber natürlich noch viel mehr zu sehen, so umfasst es heute rund 4.000 Gemälde, Skulpturen, Installationen und Videos sowie 300.000 Zeichnungen und Druckgrafiken aus sieben Jahrhunderten. Das größte Kunstmuseum der Schweiz ist damit auch die älteste städtische Kunstsammlung der Welt überhaupt. Der Hauptbau verfügt über eine beeindruckende Sammlung von Werken des 15. bis 20. Jahrhunderts. 1980 fand mit der Eröffnung des Museums für Gegenwartskunst am St. Alban-Rheinweg - einem der weltweit ersten Museen für zeitgenössische Kunst - eine erste größere bauliche Erweiterung statt. Der 2016 eröffnete Neubau dient als Schauplatz für Sonderausstellungen von Kunst ab 1960. Das Gebäude liegt auf der gegenüberliegenden Straßenseite und ist durch einen unterirdischen Verbindungstrakt (der ebenfalls als Ausstellungsfläche dient) an den Hauptbau angeschlossen.

Zu der weltweit grössten Sammlung von Arbeiten der Holbein-Familie (der „Leichnam Christi im Grabe“ hat bereits Dostojewski so schockiert, dass er in seinem Roman „Der Idiot“ mehrfach Erwähnung findet) gesellen sich umfangreiche Gruppen von Gemälden Arnold Böcklins und Ferdinand Hodlers, sowie Werke von Claude Monet und Vincent van Gogh. Aber auch Paul Klee, Oskar Kokoschka, Mark Rothko, Andy Warhol, Gerhard Richter oder Olafur Eliasson sind hier vertreten.

Kunst im Stadtbild

Basels Kunstverbundenheit ist aber auch außerhalb der Museen kaum zu übersehen. Jean Tinguelys Fasnachts-Brunnen zählt zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. An der Stelle des alten Stadttheaters befinden sich seit den 1970er Jahren zehn mechanische Skulpturen aus Teilen der ehemaligen Bühnenausstattung in einem Wasserbecken. Auch im Winter spritzen Theaterkopf, Spinne und Co mit Wasser um sich und erzeugen so selbst künstlerische Eisgebilde.

Und noch etwas fällt auf: Streetart in Form von Graffiti ist in Basel erstaunlich präsent. Die Stadt hat in den letzten Jahren immer mehr Flächen für die Gestaltung durch Urban Artists freigegeben. Bei einem Spaziergang durch die Straßen wird deutlich, dass die meist gesprayten Kunstwerke längst nicht mehr nur in abgelegenen Industrievierteln und an Bahnhofsmauern zu Hause sind, sondern auch fixer Bestandteil des Stadtbilds geworden sind. So verteilen sich beispielsweise auf der Fassade des Sommercasinos, seines Zeichens Jugendzentrum und Konzert-Location, Graffitis, die in regelmässigen Abständen erneuert werden.
Im Gerbergässlein befindet sich das wohl bekannteste Graffiti der Stadt. Zahlreiche weltberühmte Musiker sind das Motiv der Auftragsarbeit. Wer seinen Lieblings-Star nicht finden kann, der deponiert in der gegenüberliegenden Rock-Bar „L’Unique“ einfach seinen Vorschlag. So entwickelt sich das Kunstwerk fortlaufend weiter.

Basel beheimatet übrigens auch das größte Mehrspartentheater der Schweiz und verfügt im Theater Basel über ein festes Opern-, Schauspiel- und Tanzensemble sowie einen Opernchor. Auch in Sachen Literatur ist die Stadt dank dem im Jahr 2000 eröffneten Literaturhaus Basel und dem seit 2003 jährlich stattfindenden Literaturfestival „BuchBasel“ die Top-Destination in der Schweiz. Dennoch ist die bildenden Kunst, zwischen Renaissance und Gegenwart, ganz klar der Tourismusmagnet für Kultururlauber und einer von vielen Gründen, warum Basel immer einen Besuch wert ist.

Ähnliche Artikel

Chiemsee-Alpenland Tourismus Reisen, Gourmet,

Alm und Berggasthof in Taschenformat

Welche Alm ist bewirtschaftet, wann hat sie geöffnet, bekommt man dort eine Brotzeit? Das sind die wichtigsten Fragen vor einer Wanderung in die Berge. Das neue, 160 Seiten starke Büchlein mit dem Titel "Almen, Berghütten, Berggaststätten" liefert kompakt und zuverlässig die Antworten. mehr >

A.R.T. Redaktionsteam Ges.m.b.H. Reisen, Gourmet, Österreich,

Genuss auf zwei Rädern

Verträumte Hügel mit Weingärten, dazwischen Ebenen mit Kürbisäckern und Blumenwiesen, Offroad-Trails oder bequemer Radwanderweg am Fluss entlang – die Südsteiermark ist wie geschaffen dafür, die zauberhafte Landschaft radelnd zu entdecken. mehr >

Anantara Hotels & Hideaways, Reisen, Gourmet, Lifestyle,

Länger urlauben lohnt sich

Seit Jahrhunderten stellen die Menschen in Thailand ein Gefäß mit Wasser vor ihre Häuser, als Erfrischung für vorbeigehende Reisende. Der Name Anantara leitet sich von einem alten Sanskrit-Wort ab und bedeutet "grenzenlos“, als Symbol für die herzliche Gastfreundschaft, die das Kernziel der Anantara Gruppe ausmacht. Mit Gastfreundschaft und attraktiven Angeboten begrüßt Sri Lanka preisbewusste Urlauber. mehr >