Menü
Christian Böhm

Venedig ist eines der entdeckenswerten Zielen Europas. © Christian Böhm

DiscoverEU – eine Reise, die gerade erst beginnt

Ein gemeinsames Gefühl der Zugehörigkeit entsteht nur durch persönliche Kontakte. Das gilt auch für das europäische Projekt. Jede Freundschaft, jedes Band zwischen Menschen ist ein konkreter Schritt hin zu einer stärkeren gemeinsamen europäischen Identität.

Auf diesem Gedanken baut DiscoverEU auf. In wenigen Tagen werden sich wieder Tausende 18-Jährige aufmachen und die EU bereisen. Mit einem kostenlosen Ticket, dem Travel-Pass, werden rund 20 000 junge Menschen hauptsächlich mit umweltfreundlichen Transportmitteln, wie Zügen, Bussen und Fähren, Europa erkunden. Sie werden Europas kulturelles Erbe, seine Geschichte, andere Menschen – und sich selbst besser – kennenlernen. Sie folgen den Spuren 30 000 junger Menschen, die unseren Kontinent bereits auf diese Weise entdeckt haben, und erleben hautnah, was es bedeutet, Europäerin oder Europäer zu sein.

Die neue Initiative läuft nun seit etwas mehr als einem Jahr, und die Auswirkungen sind schon zu sehen. Fast 275 000 junge Menschen haben sich für die knapp 50 000 Tickets beworben, die 2018 und 2019 in drei Bewerbungsrunden angeboten wurden. Allein aus Österreich bewarben sich 2375 Personen.

DiscoverEU zeigt, was möglich ist, wenn eine gute Idee auf politischen Ehrgeiz und auf kreative, aufgeschlossene Menschen trifft. Die Idee, 18-Jährigen die Möglichkeit zu bieten, Europa durch Reisen zu entdecken, ist ein großartiges Beispiel für eine konkrete Initiative, die das Interesse junger Menschen am europäischen Projekt wachsen lässt und sie einander näherbringt. Entstanden in der Zivilgesellschaft, wurde die Idee von Mitgliedern des Europäischen Parlaments gefördert und schließlich von der Europäischen Kommission in Rekordzeit realisiert. Wie andere neue EU-Initiativen, beispielsweise das Europäische Solidaritätskorps, entspricht sie voll und ganz dem Schwerpunkt dieser Kommission, jungen Menschen Verantwortung zu übertragen und in sie zu investieren.

Für einige DiscoverEU-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer war es die erste Reise ohne ihre Eltern. Für alle war es eine lehrreiche Erfahrung. Diejenigen, die bereits teilgenommen haben, berichten, dass sie sich dadurch mehr engagieren und ihren Horizont erweitert haben. Viele geben an, mehr Selbstbewusstsein und wichtige Kompetenzen erworben zu haben, wie fremdsprachliche und interkulturelle Kompetenzen, Anpassungsfähigkeit, Resilienz und organisatorische Fähigkeiten. Zwei Drittel meinten, dass sie den Travel-Pass nicht ohne DiscoverEU hätten finanzieren können.

Doch viel wichtiger ist, dass durch diese Initiative Tausende junger Menschen neue Freunde gewonnen und in Europa eine Gemeinschaft aufgebaut haben. Teilnehmer, die sich noch nie begegnet waren, haben sich über soziale Medien vernetzt, Gruppen gebildet, um gemeinsam von Stadt zu Stadt zu reisen, und einander geholfen, indem sie Übernachtungsmöglichkeiten angeboten haben.

Auf der Grundlage der Rückmeldungen der Teilnehmer und in Zusammenarbeit mit wichtigen Akteuren will die Europäische Kommission sicherstellen, dass DiscoverEU noch offener und inklusiver wird. Es ist nun einfacher, sich zu bewerben, und die Kommission gibt Tipps für kostengünstiges Reisen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf die Unterstützung junger Menschen mit Behinderung gelegt wird. Sie arbeitet auch an Verknüpfungen mit europaweiten Netzen wie Eurodesk und den Europe-Direct-Zentren sowie lokalen Gruppen, damit die Initiative in großen und kleineren Städten in ganz Europa besser bekannt wird und die Reisenden dabei unterstützt werden, mit den Menschen, auf die sie an ihren Zielen treffen, enger in Kontakt zu treten.

Aber dies ist erst der Anfang. Um das Potenzial von DiscoverEU voll ausschöpfen zu können, will die Kommission dieses Projekt zu einem festen Bestandteil des Erasmus-Programms nach 2020 machen und es mit 700 Mio. EUR ausstatten. Stimmen das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten zu, werden zwischen 2021 und 2027 rund 1,5 Millionen 18-Jährige davon profitieren.

Dadurch würde eine echte Chance eröffnet, DiscoverEU weiter zu entwickeln und den Lernaspekt zu stärken - und die Initiative zu einem echten Sprungbrett zu machen. Die Erfahrung mit DiscoverEU sollte nur der Anfang einer viel größeren Reise für junge Menschen sein. Sie sollte die Neugier der jungen Menschen wecken und sie dazu ermutigen, sich stärker in ihrem Umfeld zu engagieren oder mithilfe anderer EU-Programme ins Ausland zu gehen.

Bei DiscoverEU geht es um mehr, als junge Menschen in Urlaub zu schicken. Das Projekt hat bestätigt, dass junge Europäerinnen und Europäer Verantwortung übernehmen, wenn sie dazu die Gelegenheit haben, und sie erheblich zur europäischen Integration beitragen, indem sie Netzwerke aufbauen und zu anderen Kontakt aufnehmen. Diese Reisenden handeln bereits als Botschafter für die europäische Idee und zeigen uns, dass uns trotz unserer Differenzen mehr eint als trennt.

Wir glauben, dass die Entdeckung Europas für junge Menschen – unabhängig von ihrem Hintergrund, ihrer finanziellen Situation oder ihrem Heimatort – Standard sein sollte. Junge Menschen sind besonders wichtig für den Bau von Brücken – Brücken, die wir mehr denn je benötigen, um ein geeinteres, von Zusammenhalt geprägtes Europa für die Zukunft zu schaffen.

Deshalb müssen wir weiterhin in junge Menschen investieren und an sie glauben – nicht morgen, sondern heute.

 

 

Ein Gastkommengtar von:
Tibor Navracsics, EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport
Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer, europäische Aktivisten, Autoren, Initiatoren von „Free Interrail“

Ähnliche Artikel

ReiseSalon Reisen,

ReiseSalon 2019 – das ReiseGlück Festival

Zahlreiche neue AusstellerInnen, neues Konzept, Workshops und Vorträge zur Einstimmung auf unvergessliche Reiseerlebnisse Zum achten Mal geht der ReiseSalon heuer über die Bühne. Kulisse des „ReiseGlück-Festivals“ am 16. und 17. November sind einmal mehr Orangerie und Apothekertrakt von Schloss Schönbrunn. mehr >

Hapag-Lloyd Cruises Reisen,

Hapag-Lloyd Cruises Flotte fährt ohne Schweröl

Schadstoffarmes Marine Gasöl ab 2020 - weltweit auf allen Schiffen der Flotte! Durch das freiwillige Engagement werden Emissionen, Ruß und Feinstaub reduziert. So kann man in Zukunft seine Luxusreise ohne schlechtes Gewissen antreten. mehr >

Reisen,

Neue Heimat für eine stark gefährdete Spezies

Neun Spitzmaulnashörner wurden nach Singita Grumeti in Tansania umgesiedelt – eine akut vom Aussterben bedrohte Art wurde im Rahmen einer beispielhaften Aktion des Grumeti Fund gemeinsam mit der Tanzanian Wildlife Management Authority TAWA von Südafrika in das Schutzgebiet Singita Grumeti in Tansania umgesiedelt. Durch diesen zahlenmäßig bedeutendsten Zuzug von Nashörnern vergrößert sich die Population um knapp zehn Prozent. Die „Neuen“ befinden sich nun in bester Gesellschaft, denn im gleichen Schutzgebiet leben seit geraumer Zeit auch zwei Ostafrikanischer Spitzmaulnashörner, eine ebenfalls stark gefährdete Spezies. mehr >