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Saskia Bursa & Martina Bartholner

Sonnenuntergang über Bangkok© Saskia Bursa & Martina Bartholner

Bangkok

November 2015

Ein Tag in Bangkok. Nach einer Nacht in der Klimaanlage ist die Dusche am Morgen von erfrischend weit entfernt. In der Stadt ist es für Kaltwasser zu heiß, über Nacht kühlt es zu wenig ab. Zehn Minuten nach der Dusche ist der Körper erneut von einer dünnen Schweißschicht überzogen. Man wagt den Schritt aus der klimatisierten Wohnung hinaus auf die lauten, heißen Straßen Bangkoks. Autos, Busse, Taxis, Motorräder, Tuk Tuks, Fahrräder - eine bunte Mischung. Man rettet sich auf einen der unebenen Gehwege, sofern sie vorhanden sind, oder springt auf ein Motortaxi. In Bangkok blickt man dem Tod mutig ins Auge, anders ist die Stadt schwer zu erleben. Wer zu Fuß unterwegs ist, weicht Schlaglöchern, Kakerlaken und tropfenden Regenrinnen aus, duckt sich unter Stromkabeln hinweg und versinkt im Geruchschaos der Weltmetropole. Sightseeing wird zu einer Höchstleistung - ohne Klimaanlage oder Ventilator oder mehreren Litern Wasser hält man es nur wenige Stunden im Freien aus. Das Essen vom Straßenstand oder in einem der unzähligen nationalen und internationalen Restaurants oder Fastfood-Ketten rettet einen über den ersten Hunger. Nachmittags folgt die zweite Dusche des Tages, bevor es zum Sonnenuntergang auf eine der Highclass-Rooftop-Bars geht und man sich bei einem Cocktail und dem Farbenspiel der versinkenden Sonne beglückwünscht, dass man einen weiteren Tag in Thailands Hauptstadt überlebt hat - jetzt kann die Nacht beginnen. Ob in einem Restaurant, in einer Bar oder beim Erkunden der Nachtmärkte oder Rotlichviertel oder in einem traditionellen Theater oder der hochmodernen, luxuriösen Kinos, Bangkok bietet für Abenteurer und Genussmenschen an jeder Ecke zu allen Preisen Unterhaltung.

 

Bangkok. Wundervolles, chaotisches, heißes, spektakuläres, modernes, schmuddeliges Bangkok.

Die größte Stadt Thailands, die Hauptstadt Thailands, eine der größten und wichtigsten Städte Südostasiens, ein Drehkreuz für Handel und Tourismus.

Das ist eine Liebeserklärung. Nicht romantisch, nicht verträumt, nicht durch eine rosarote Brille - aber nichtsdestotrotz eine Liebeserklärung.

Ganz zu Beginn: Bangkok ist heiß. Bangkok ist schwül. Bangkok ist dreckig. Gehwege sind Luxus, Ratten und Kakerlaken sieht man an den besten Ecken - das Straßenessen ist überall präsent und mit etwas Hausverstand findet man Delikatessen um praktisch kein Geld. Das Leben in Bangkok spielt sich auf der Straße und in den hypermodernen Shoppingcentern ab. Der Kontrast zwischen Armut und Reichtum ist nicht nur vorhanden, er erschlägt einen an jeder Ecke, bei jedem Schritt, bei jedem Atemzug. Tradition trifft Moderne, Wolkenkratzer sprießen neben Blechhütten aus dem Boden, westliche Businessmänner kaufen Pad Thai von alten Thailänderinnen am Straßenrand. In der brütenden Hitze kommt der Verkehr zum Erliegen. Autos, Taxis, Tuk Tuks, Motorräder, Fahrräder, fahrende Straßenwagen - alles wartet darauf, dass die manuell geschalteten Ampeln zu den Stoßzeiten auf Grün springen. „Motorbike Taxis“ schlängeln sich durch den Stau und befördern Einheimische, Expats und Touristen am schnellsten von Ort A zu Ort B - vor dem Tod darf man in Bangkok keine Angst haben. Aber Angst ist in dieser Stadt generell fehl am Platz; man lässt sich darauf ein oder man versäumt die prägendsten Momente.

Wer sich schon durch diesen Absatz abschrecken lässt, der sollte sich ein Gläschen Wein zu Gemüte führen und unbedingt einen Flug nach Bangkok buchen - no risk, no fun! Der Dreck und die Armut und das Chaos werden sich nicht vermeiden lassen, doch Bangkok bemüht sich westlich zu werden - ob das notwendig oder sinnig ist, muss jeder für sich selbst feststellen. Rooftopbars auf den schönsten und neuesten Wolkenkratzern lassen einen beim Sonnenuntergang die Hektik auf der Straße vergessen und räumen mit den klassischen Vorurteilen Südostasien gegenüber auf: von Strohhütten am Flussufer ist man hier seit Jahren weit entfernt.

Bangkok bietet alles. Es gibt nichts, was man hier nicht sehen, kaufen oder erleben kann. Verschiedenste Küchen und unzählige Restaurants lassen keine Wünsche offen. Teure Restaurants mit vielen Sternen sind genauso zu empfehlen wie die kleinen Straßenstände mit Pad Thai und gebratenem Reis. Man kann hier sehr viel Geld ausgeben - und sehr wenig. Fast jede Marke dieser Welt ist in den luxuriösen Shoppingcentern vertreten, aber auch der riesige Chatuchakmarkt ist einen Besuch wert. Kleidung, Schuhe, Inneneinrichtung, Tiere, Krimskrams, Essen; alles ist auf Bangkoks größtem Wochenendmarkt um Spottpreise zu erwerben, sofern man ein Händchen fürs Verhandeln hat. Nicht verpassen sollte man Kokosnusseis mit Sticky Rice und Erdnüssen. Wer es fruchtiger mag, darf auch die altbewährte Mango wählen, die man an jeder Straßenecke kaufen kann.

Kulturell bietet Bangkoks Altstadt unzählige Wats und Tempel, Schreine und vereinzelt Kirchen. Wer davon schnell gelangweilt ist, kann auch eine Bootsfahrt am Chao Phraya - dem großen Fluss durch Bangkok - genießen oder sich zu einem Ausflug außerhalb Bangkoks hinreißen lassen. Viel Natur, viel Geschichte, viel Kultur, speziell in der alten Hauptstadt Ayutthaya (nur eineinhalb Stunden vom Zentrum entfernt). Noch spannender als diese Orte ist jedoch der Weg dorthin! Busfahren ist spannend, Zugfahren ist noch spannender und am allerspannendsten sind die Minivans. Zu versuchen den Verkehr in Bangkok in Worte zu fassen, ist eine Unmöglichkeit. Man versteht erst, wenn man gesehen und erlebt hat. Man erinnere sich daran, dass man dem Tod mutig ins Auge blicken muss.

An der Abendgestaltung soll es ebenfalls nicht scheitern: Konzerte, Filme, Theater, Rooftopbars. Bangkok bietet die modernsten Kinos der Welt, Superstars verirren sich regelmäßig in diese Ecke Asien und traditionelle Theater sind… Geschmackssache.

Selbstverständlich lassen sich auch die dunkleren Seiten Bangkoks nicht leugnen. Rotlichtviertel sind nicht schönzureden, Prostituierte stehen an vielen Straßenecken und übereifrige Tuk Tuk Fahrer sind nur zu gerne bereit willige Touristen zu Ping Pong Shows zu überreden. Sollte man das gesehen haben? Vielleicht. Nächtliche Touren zum neugierigen „Anschauen“ werden immer häufiger Bestandteil eines Touristenprogramms. So viel sei gesagt: bleibende Eindrücke/Einblicke sind sicher.

Übrigens, ganz wichtig: die königliche Familie darf niemals beleidigt werden, der König thront über allen und man beleidige bitte niemals das aktuelle Militärregime. Auch hier gilt wie so oft im Leben: wer mit etwas Hausverstand an die Sache herangeht, ist klar im Vorteil.

Bangkok ist faszinierend, Bangkok ist furchteinflößend, Bangkok ist grandios und unverwechselbar. Wer hier ist, wird jünger, fühlt sich jünger, verhält sich jünger. Wer hier ist, wird nicht wieder gehen wollen. Wer einmal hier war, wird sicher zurückkommen. Und selbst wenn nicht: Bangkok ist trotzdem immer einen Besuch wert, und wenn man später nur eifrig über das Chaos und die Hitze und das warme Kaltwasser den Kopf schütteln kann und zuhause da und dort für Lacher sorgen kann.

Und wem an diesem Eintrag der rote Faden fehlt, der sollte sich nicht wundern - Bangkok hat keinen roten Faden und genau das ist sein Charme. 

 

Bis bald in Chiang Mai,

S & T

 

S.T.A.R. (S und Ts allgemeine Reisetipps)

Reisezeit: 14. bis 23.11.2015

Wetter: heiß - heißer - Bangkok

Unterkunft: iSanook Residence 

Grenzenlos-Rating:

  • Höhepunkt(e): Rooftopbars, Straßenessen, Kinos, Grand Palace 
  • Keep in mind: hohe Hitzebelastung, während der Regenzeit plötzlicher Starkregen
  • Anmerkung: dieser Eintrag ist etwas länger geworden, weil S seit August für ein Praktikum in Bangkok gewohnt hat und die Stadt dadurch sehr intensiv und ausführlich kennen lernen durfte! 

S.T.S. (S und Ts Servicehotline): grenzenlos.saskia.tina@hotmail.com

  • Grenzenlos

    Grenzenlos

    von Saskia und Tina In (1)80 Tagen um die Welt: Thailand, Laos, Vietnam, Kambodscha, Malaysien, Singapur, Neuseeland und USA.